Herbert Marcuse: Der eindimensionale Mensch. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1967
In Ihrer Dankesrede für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bezieht sich Marion Gräfin Dönhoff 1971 darauf, als sie Argumente für die Konvergenztheorie, dem gegenseitigen Aufeinanderzubewegen der östlichen und westlichen Gesellschafts- bzw. Herrschaftssysteme, bringt:
Marion Gräfin Dönhoff 1971:
Am klarsten hat Herbert Marcuse in seinem Buch »Der eindimensionale Mensch« diese Kritik formuliert. Seine Deduktion lautet: Die Naturbeherrschung, die das Ziel des Menschen war, hat auf dem Wege zu diesem Ziel den Produktionsapparat geschaffen, der als ein Mittel hätte dienen sollen, sich aber verselbständigt hat und mittlerweile zum Herrn geworden ist. Und zwar deshalb, weil alle bei der Aufrechterhaltung seiner Herrschaft mitwirken, denn die große Leistungsfähigkeit des Produktionsapparates und der steigende Lebensstandard führen dazu, dass jedermann ein Interesse am Status quo hat.
Der Produktionsapparat und die Güter und Dienstleistungen, die er hervorbringt, verkaufen – dank des Ineinandergreifens aller Mittel, einschließlich des Massentourismus und der Massenkommunikation – das System stets als Ganzes: Eines hängt immer am anderen, und einer hängt am anderen, weil alle am Prinzip des Profits orientiert sind. Die Unterhaltungsindustrie bindet die Konsumenten an die Produzenten und erzeugt so einen Widerstand gegen qualitative Veränderungen. Auf diese Weise entsteht – so meint Marcuse – das »eindimensionale Denken«.
In der Tat wird durch die totale Kommerzialisierung und technische Rationalisierung die Metaphysik und jedes den wirtschaftlichen Erfolg transzendierende Denken verdrängt. Es findet also eine Verkürzung des Denkens statt, und allmählich geht die philosophische Dimension verloren. Der Mensch wird an Zwecke versklavt, die er sich als absolut vorstellt. Marcuse nennt das »Herrschaft in der Maske von Überfluss und Freiheit«.
Meiner Auffassung nach liegen in dieser Argumentation Herbert Marcuse und Vilem Flusser ganz eng beinander. Die Frage, inwieweit Konstruktivismus damit zu tun hat, lasse ich jetzt einfach mal so stehen.
