Vormittlerweile ein paar Wochen thematisierte Heinz in seinem Blog die journalistische Haltung, in Referenz auf Christiane Schulzki-Haddouti. Die bringt die Frage nach der Haltung von Journalisten in Verbindung mit deren Abgrenzung von PR-Leuten, wo es doch heute auch Ausbildungsstätten für beide Berufsgruppen im selben Studiengang/Studium gibt. Auch ich arbeite an so einem.
Daher gehe ich jetzt noch einmal zu dem von Heinz, von Christiane Schulzki-Haddouti und von Jeff Darvis diskutierten Kompetenzprofil zurück und ich tue das aus der Perspektive der Public Relations – denn auffallend ist, die hier genannten Kompetenzen treffen tatsächlich auf beide Berufsgruppen zu:
Christiane Schulzki-Haddouti schreibt:
Die fünf Kernkompetenzen sind folgende:
- Recherche und Monitoring;
- Die Erschließung und einfache Darstellung komplexer Zusammenhänge;
- Trends erkennen und verständlich visualisieren, kontextualisieren, vertonen, vertexten;
- Dialog und Moderation: Einen Diskurs, einen Dialog zwischen verschiedene Interessensgruppen anregen und moderieren;
- Aufmerksamkeit generieren, Publizität herstellen, Veröffentlichungsprozesse beherrschen.
…
Dass Journalismus ohne “Haltung” überhaupt nicht möglich ist, zeigt ein einfacher Vergleich von journalistischer und auf Public Relations ausgerichteter Arbeit. Beide greifen auf die fünf Kernkompetenzen gleichermaßen zurück. Es besteht überhaupt kein Unterschied. Gleichwohl müssen sich beide voneinander abgrenzen. Denn sonst ginge das Vertrauen der Rezipienten verloren. Und für diese Abgrenzung ist einzig und allein “Haltung” erforderlich.
Ich stimme der Diagnose vorbehaltlos zu, gehe aber in Bezug auf die Haltung noch ein bisschen weiter:
In der PR-Ethik sprechen wir von vier Verantwortlichkeiten, denen PR-Leute verpflichtet sind: der Verantwortung gegenüber dem Auftraggeber oder Dienstgeber, der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, der Verantwortung gegenüber der Profession und, last but not least, der Verantwortung gegenüber sich selbst. Am schönsten, weil an der Praxis orientiert, ist das in dem Reader, den Patricia J. Parsons bei CIPR herausgebracht hat, zusammengefasst:
“Clearly, then, as a public relations practitioner, you have duties to yourself, your employer or client, your profession and to society as a whole. Juggling these duties can be a full-time job when trying to practise PR in an ethical manner”. Sie illustriert dieses Bild mit einem Jongleur, der versucht, vier unterschiedlich geformte Gegenstände im Gleichgewicht zu halten.
Was ich damit sagen will: Beides, sowohl das was Journalisten tun, als auch das was PR-Leute tun, hängt ganz wesentlich von ihrer Haltung ab. Beiden können heute, scheint es, ganz, ganz leicht ganz ohne Haltung überleben – in dem Fall interessiert mich aber weder, was ein solcher Journalist, noch ein solcher PR-Mensch tut. Warum so viele Leute ohne Haltung so großen Einfluss haben, ist eine andere Diskussion.
Die Haltung eines Journalisten unterscheided sich in meinem Verständnis von der Haltung eines PR-Menschen in der Gewichtung dieser vier Verantwortlichkeiten: Von einem Journalisten erwarte ich wesentlich größere Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Dazu sollte er all sein Wissen, seine Fähigkeiten und sein Können einsetzen. Gerade an einem Studiengang wie dem meinen wird das, wie von Christiane Schulzki-Haddouti gefordert, direkt in einem ethischen Zusammenhang thematisiert. Diese Unterschiede gehören sicher noch viel besser herausgearbeitet. Denn das überlappende bis gleiche Kompetenzprofil lässt viel zu schnelle, einfache Schlüsse zu. Ich würde mich freuen, eine solche Diskussion weiter zu führen.
