Crossroads… (am 30. November 09)

Herbert Marcuse: Der eindimensionale Mensch. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1967

In Ihrer Dankesrede für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bezieht sich Marion Gräfin Dönhoff 1971 darauf, als sie Argumente für die Konvergenztheorie, dem gegenseitigen Aufeinanderzubewegen der östlichen und westlichen Gesellschafts- bzw. Herrschaftssysteme, bringt:

Marion Gräfin Dönhoff 1971:
Am klarsten hat Herbert Marcuse in seinem Buch »Der eindimensionale Mensch« diese Kritik formuliert. Seine Deduktion lautet: Die Naturbeherrschung, die das Ziel des Menschen war, hat auf dem Wege zu diesem Ziel den Produktionsapparat geschaffen, der als ein Mittel hätte dienen sollen, sich aber verselbständigt hat und mittlerweile zum Herrn geworden ist. Und zwar deshalb, weil alle bei der Aufrechterhaltung seiner Herrschaft mitwirken, denn die große Leistungsfähigkeit des Produktionsapparates und der steigende Lebensstandard führen dazu, dass jedermann ein Interesse am Status quo hat.
Der Produktionsapparat und die Güter und Dienstleistungen, die er hervorbringt, verkaufen – dank des Ineinandergreifens aller Mittel, einschließlich des Massentourismus und der Massenkommunikation – das System stets als Ganzes: Eines hängt immer am anderen, und einer hängt am anderen, weil alle am Prinzip des Profits orientiert sind. Die Unterhaltungsindustrie bindet die Konsumenten an die Produzenten und erzeugt so einen Widerstand gegen qualitative Veränderungen. Auf diese Weise entsteht – so meint Marcuse – das »eindimensionale Denken«.
In der Tat wird durch die totale Kommerzialisierung und technische Rationalisierung die Metaphysik und jedes den wirtschaftlichen Erfolg transzendierende Denken verdrängt. Es findet also eine Verkürzung des Denkens statt, und allmählich geht die philosophische Dimension verloren. Der Mensch wird an Zwecke versklavt, die er sich als absolut vorstellt. Marcuse nennt das »Herrschaft in der Maske von Überfluss und Freiheit«.

Meiner Auffassung nach liegen in dieser Argumentation Herbert Marcuse und Vilem Flusser ganz eng beinander. Die Frage, inwieweit Konstruktivismus damit zu tun hat, lasse ich jetzt einfach mal so stehen.

Konstruktivistisch lehren und lernen…

Ein Workshop mit Horst Siebert und meine Notizen dazu:

Konstruktivismus = Wirklichkeitswissenschaft (Watzlawick)

österreichische Wurzeln – Zufall?
Watzlawick, Glasersfeld, Förster
Literatur Musil – Der Mann ohne Eigenschaften mit konstruktivistischer Brille lesbar

Daten und Information = aussersubjektive Bestände
Wissen = subjektive Konstruktion im Kopf (Glasersfeld)

Luhmann: Gesellschaft ist Kommunikation – der Klimawandel ist erst manifest, wenn darüber kommuniziert wird
Luhmann: Kommunikation ist Missverständnis – erst wenn ich diese Tatsache akzeptiere, kann Kommunikation funktionieren

Autopoiesis: selbsttätiges System – was Siebert sagt und was wir hören ist nicht deckungsgleich – selbstreferenzielles System

sozialer Konstruktivismus – Abhängigkeiten vom System, von Kultur

  • Bewusstsein darüber (über ständige individuelle Konstruktion) macht vorsichtiger
  • und
  • das eigene Denken ist nicht steuerbar (???)

Veränderungen möglich?
Elisabeth Fattinger: Ich erweitere meine Regale im Kopf um neue Möglichkeiten

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Workshop “Kopieren erwünscht” am Didaktiktag der FH JOANNEUM

Elmar Krajnc und John Feiner (Studiengang Internettechnik) luden zu einem Workshop mit einem für mich provokativen Titel: “Kopieren erwünscht. Copy & Paste, das didaktische Konzept der Zukunft?”

Erstaunlich schon der Beginn: Die ca. 20 TeilnehmerInnen des Workshops fanden auf Anhieb 17 positive Attribute und nur 11 negative für das Prinzip des Copy & Paste. Außerdem, so der Befund der Workshopleiter basierend auf einer kleinen Umfrage bei Praktikern, sei Copy & Paste heute ein must – woraus folge, dass der Umgang damit gelehrt werden muss, Copy & Paster Education daher unabdinglich sei.

In einem kleinen Beispiel (einem Webdesign, das wir als Themenfremde mit Copy & Paste von Codebausteinen bauen sollten) wurde schnell klar, dass für den wirksamen, sinnvollen Einsatz von Copy & Paste Voraussetzungen unbedingt gelten müssen:

  • Welches Wissen wird vorausgesetzt?
  • Wo bleibt die Kreativität?
  • Wie gehe ich mit Quellen um?
  • Wann ist etwas ein Plagiat?
  • Ausreichendes Grundlagenwissen ist notwendig.
  • Die Frage der Lizenz muss geklärt sein (open source und creative commons).
  • Einsatz von Online Plagiate Finder – wie und mit welchen Konsequenzen?

Ganz wichtig erschien den Teilnehmern die Tatsache, dass Copy & Paste Education bei dem vorbildlichen Umgang der bzw. des Lehrenden beginnt.

Nachlese zum Didaktik-Tag der FH JOANNEUM

Am 19. November 2009 veranstaltete die FH JOANNEUM den zweiten Didaktiktag – einen Austausch zwischen den hier angestellten Lehrenden mit gewissem Input von außen. Im vergangenen Jahr war Martin Lehner Gast, sein Thema war die Problematik um die notwendige Verkürzung von Lehrinhalten in wenig Zeit. Damals fand ich keine Zeit hinzugehen.

Diesmal betraf mich das Thema im Innersten: Als Gast eingeladen war Prof. Horst Siebert, ein ausgewiesener Experte für “Konstruktivistisch lehren und lernen” – so lautete auch der Titel eines Seminars am Freitag nach dem Didaktiktag (darüber berichte ich an anderer Stelle).

Ich fand den Ideentisch zum Teaching Portfolio von Hans-Georg Frantz (einem der Organisatoren des Tages) besonders interessant und würde mir wünschen, dass wir an der FH JOANNEUM generell mehr Wert und Gewicht auf die Qualität der Lehre legen und wesentlich stärkeren Austausch darüber führen.

Ein ernstgemeintes Teaching Portfolio ist ein Instrument der Qualitätssicherung und gleichzeitig auch eines der Präsentation. Außerdem stellt es die studentische Evaluierung von LVs in einen reflexiven Zusammenhang, verbindet die für den Lehrenden also externe Evaluierung mit seiner eigenen Einschätzung und eröffnet so die Möglichkeit zur Entwicklung.

Meiner Meinung nach sollten wir die Erstellung eines persönlichen Teaching Portfolios unterstützen und seine Veröffentlichung auf oder mit der Hompage der FH verlinkt aktiv fördern. Wenn geht, auch auf Englisch. Das würde der Internationalisierung dienen.

Hello world!

This is a posttitel I like: Hello world! Ich glaube mich zu erinnern, dass Tinkerbell, die Fee in einem Walt Disney Kindermovie, auch sowas sagt. Sie sagt es voller Begeisterung, obwohl sie immer wieder Katastrophen heraufbeschwört und einige FeenkollegInnen gar nicht viel von ihr halten.
“Hello world” sage auch ich trotzdem. Trotzdem das hier mein dritter oder vierter Versuch ist, einen Blog zu starten. Keiner der vorherigen Versuche hatte eine lange Lebensdauer. Nach den ersten enthusiastischen Einträgen fehlte mir die Zeit und die Lust, für den Blog Zeit aufzubringen. Sicher habe und hatte ich schon immer Lust, meine divusen Gedanken, die ich vorzüglich beim nach Hause fahren pflege, aufzuschreiben, festzuhalten und wieder, immer wieder nachdenken zu können. Ein Gedankenrecorder ist eine Erfindung, von der ich schon als Mittelschülerin träumte – bis heute trotz aller Weiterentwicklung der Kommunikationstechnologie allerdings vergeblich.
“Hello world” verwende ich hier also als Aufruf an mich selbst: Ich wünsche mir, dass dieser Blog im Laufe der Zeit so etwas wie mein Gedankenrecorder wird: nachsehbar, einsichtig, von Nutzen zu allererst für mich selbst. Er soll mich beim Nachdenken, Lehren und Lernen begleiten. Für eine möglichst lange Zeit.